Mission Mamas neues Leben.

Die letzten Wochen waren schwer für uns alle. Nach Papas Tod bin ich fast zwei Wochen lang nur gerannt, um Dinge zu organisieren. Gerannt, um die Bestattung auf die Beine zu stellen, für die ich gefühlte 3 Millionen Entscheidungen treffen musste. Gerannt, um fristgerecht alle Formalitäten zu erledigen. Gerannt, um viele Dinge aufzufangen und zu retten, auf die einen niemand vorbereitet, in die man von jetzt auf gleich hineingezogen wird, ohne Atempause, ohne Zeit zum Nachdenken geschweige denn zum Trauern. Nun steht ein schwarzweißes Porträtfoto auf meiner Anrichte, umrahmt von Kerzen und liebevollen Kondolenzbriefen, und der HSV hat sich gestern vor dem Abstieg gerettet, und es ist das erste Mal, dass ich nach einem solchen Erlebnis nicht Papa anrufen und mich gemeinsam mit ihm darüber freuen kann.

Fußball gucken geht gerade gar nicht.

Das haben wir immer gemeinsam gemacht, über die Entfernung hinweg. Es hat uns immer verbunden Jetzt nicht mehr. Es fällt mir schwer, ohne Papa Spaß daran zu haben. Aber auch das wird wiederkommen, das weiß ich. Ich bin mir sicher, er sitzt gemeinsam mit Hermann Rieger irgendwo da oben, trinkt ein Bier und isst Marzipanschokolade, während er sich über unsere Rettung freut. Mama hingegen freut sich, dass sie das teure Sky-Abonnement endlich los ist. Da kennt sie nichts.

Apropos Mama.

Mama hat den Umbruch noch lange nicht begriffen. Er ist weg, sie ist allein, das Haus ist groß und leer. Das ist ihre Situation momentan. Ich fahre so oft hin, wie ich kann, aber ich kann eben auch nicht an 7 Tagen die Woche. Sie wird zu mir ziehen. Ich habe von ihr eine Vollmacht und den Auftrag erhalten, einen Mietvertrag für sie zu unterzeichnen. Es wird kommen, aber es dauert eben auch. Zuerst müssen wir entscheiden: Geht es direkt ins betreute Wohnen, oder soll es doch noch mal eine eigene Wohnung werden, in die man schließlich auch ambulante Pflegedienste bestellen kann. In unserem Gebäudekomplex sind immer noch schöne, moderne und nahezu barrierefreie Wohnungen zu haben. Eine davon haben wir reserviert, 80 Quadratmeter, zwei Zimmer, eine riesige Südwest-Terrasse, die sie eigentlich gar nicht braucht. Alles viel zu groß, aber eben auch stufenlos, was in unserer Gegend eine Seltenheit ist. Die Entscheidung zwischen betreutem Wohnen und „normaler“ Wohnung fällt aus mehreren Gründen nicht leicht.

Vorteile betreutes Wohnen

Gesellschaft: Die plötzliche Einsamkeit ist eine harte Nuss für Mama. Plötzlich ist das Haus so leer, es gibt keinen Ansprechpartner mehr. In Service-Wohnanlagen gibt es eine Menge Unterhaltung und viele Bewohner, die in derselben Situation sind.

Pflege vor Ort: Die meisten Wohnanlagen bieten bestimmte Zusatzservices an, die man je nach Bedarf dazu buchen kann. Das geht alles sehr leicht und unbürokratisch vonstatten. Hinzu kommt, dass meist vor Ort bereits eine pflegegerechte Möblierung vorzufinden ist, die nicht erst noch angeschafft werden muss.

Nachteile betreutes Wohnen

Begrenztes Raumangebot: Betreutes Wohnen ist zwar an sich eine tolle Sache, aber die Räumlichkeiten sind traditionell beengt. Mama hat Ansprüche. Ich sage nur: Gäste-WC.  Außerdem sollte die Wohnung mindestens zwei Zimmer haben und über einen schönen Balkon oder eine ansprechende Terrasse verfügen. Mehr als anderthalb Zimmer sind in Servicewohnanlagen aber nirgends zu haben. Von einem Balkon oder einem getrennten Gäste-WC ganz zu schweigen.

Lange Wartelisten: Betreutes Wohnen ist beliebt. Wir brauchen eine schnelle Lösung für Mama, aber die Wartelisten sind lang.

Teuer: Betreutes Wohnen ist natürlich auch nicht billig. Mama hat noch keinen Pflegegrad, und es wird ein wenig dauern, bis sie ihn bekommt. Je höher der Pflegegrad, desto mehr davon übernimmt zwar die Pflegekasse, aber desto höher ist auch der Eigenanteil.

Fazit: Eigene Wohnung?

Im Moment spricht viel für ihre eigene Wohnung hier in unserer unmittelbaren Nähe. Wenn alles gut läuft, unterzeichnen wir kommende Woche den Mietvertrag, und dann kann es auch schon losgehen mit den Umzugsvorbereitungen.

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